Conrads Burg

Posted on 4. Mai 2010 von

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Minimalistisch: Tisch im Kastell

Kastell heißt das besternte Burgrestaurant im tiefen Oberpfälzischen, Wernberg die Burg und Köblitz der Ort. Mit makellosem Tablett- und Brigaden-Service (drei Leute für zwei Teller) schickt Küchenchef Thomas Kellermann feinste Miniaturen der Hochküche an die Damast-Kristall-Silber-KPM-gedeckten Tische im Burggewölbe. Die klitzekleinen Gaumenschmeichler sind nichts für Hungrige: Diese Küche soll Satte hungrig machen, nicht umgekehrt.

Für so weit draußen in der Provinz ein mutiges Unterfangen, aber es geht: Letzten Sonntag war das Kastell ganz gut gebucht trotz der Menüpreise ab hundert Euro (es gibt nichts anderes,außer man geht ins Zweitrestaurant am Burggraben). Wer wenig trinkt (und wer täte das nicht als Überlandfahrer, es sei denn man wohnt hier im Zeichen von Relais et Châteaux), kommt relativ günstig weg – und erstaunlich: Nach fünf Gängen dieser Art war meine Autofahrermüdigkeit wie weggeblasen, obwohl das Gegenteil zu erwarten gewesen wäre.

Dies alles wird von der hier ansässigen Firma Conrad Electronics finanziert, die das Land mit Baumärkten für Computerfreaks überzogen hat. Sie hat das tausendjährige Gemäuer von der Gemeinde auf 99 Jahre gepachtet und die ganze Miete auf einmal vorausgezahlt, was die aufwändige Instandsetzung des Adelssitzes ermöglichte. So ein kleiner Goutmettempel ist dann nur noch ein Sahnehäubchen, über das sich der stille Geniesser im Stillen freut.

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