Essen in Portugal

Posted on 12. Mai 2010 von

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Eine Woche lang gegessen in Portugal, und gegensätzlicher konnten die Erfahrungen nicht sein.

Sommelier in der Fortaleza de Guincho, Cascais bei Lissabon

Erster Tag: Fortaleza de Guincho in Cascais bei Lissabon (ein Stern). Sie retten sich mit elsässischer Küche (Foie gras, Saint-Pierre mit Fenchel, Schwein mit Morcheln, Schokostreusel) über die Langeweile, aber der Service stimmt. Der Sommelier ist perfekt, findet den richtigen Wein und dekantiert ihn mit Anmut.

Zweiter Tag: Quinta das Lacrimas in Coimbra (ein Stern). Ein wenig kühl wirkt es im Gartensalon mit seinen Schwarzweissfliesen. Fisch fad, Spanferkel ein sehr kompaktes Stück vom Schwein. Der Sommelier gruschtelt hinter meinem Rücken und fummelt am Wein herum. Schmeckt nicht. Ich sollte ja auch keinen Hiesigen bestellen, sondern mich in Sachen Douro weiterbilden – der „Grande Follies“ von de Quinta da Aguieira erinnert mich an einen ländlichen Portwein. Immerhin lerne ich vom netten Käsemädchen die „Serra de Estrella“ kennen, einen trefflichen Rohmilch-Weichkäse der rustikal-aromatischen Art.

Käsebrett in der Quinta Lagrimas in Coimbra

Dritter Tag: Palacio Freixo in Porto. Traum-Ambiente in der flammneuen Pousada trotz neuer Sachlichkeit, aber der Service versagt. Was die Küche schickt, führt das Land sicher nicht aus der Krise. Portugal-Küche (Bacalhaõ, Tripas) im Schick-Look, aber letztlich langweilig.Seien wir aber nicht allzu nörgelig: Die Sachen sind hübsch angerichtet.

Bacalao mit Kichererbsen im Palacio Freixo in Porto.

Vierter Tag: Raus nach Matosinho, in den Freihafen von Porto, und dort in ein völlig veraltetes Meetesfrüchte-Restaurant. Muschel-Kollektion und Ziegenfüße vorweg, dann zappelfrische Languste im Salzmantel (zu durch). Trotz allem ein Super-Essvergnügen.

Languste in der brennenden Salzkruste (Marischiera, Matoshinto)

Fünfter Tag: Das Vintage House in Pinhaõ am Douro. Das Menü auf Kantinen-Niveau, die Weinbegleitung eine Frechheit. Da hilft auch ein geschenkter Vintage-Port nicht über den Frust.

Sechster Tag: Die Dorfkneipe von Pinhaõ, wegen ihrer Zicklein gepriesen. Gab’s nicht, wohl aber ein riesiges exzellentes Kalbskotelett für zwölf Euro. Zum Dank einen teuren Rotwein bestellt.

Siebenter Tag: Das vornehme Hotelrestaurant im Lissaboner Lapa Palace. Guter Fisch, aber den Oberkellner hatte ich gleich gefressen. Dabei sind alle anderen so herrlich nett zu den Gästen.

Achter Tag: Auch in Lissabon raus in den Hafen zum Fischessen. Die Empfehlung des Concierge heißt „Café in“, was erstens blöd und zweitens für mich abschreckend ist. Der stromlinienförmige Glaspalast an der Amüsiermeile „Avenida Brasilia“ hat noch Austern im Angebot, obwohl es schon Mai ist, offeriert die lustigen Venusmüschelchen mit den Stielaugen und als Hauptgang eine Seezunge zum Niederknien. Hat dasselbe wie gestern gekostet, war aber doppelt so gut.

Fischtheke an der Avenida Brasilia

Neunter Tag: Der Empfehlung des Concierge gefolgt und einen richtig guten Bacalhau erwischt. Zwar verstehe ich immer noch nicht, warum ein Land voller Frischfisch seinen Fang salzen und trocknen muss, um ihn später wieder stundenlang zu wässern und dann langsam im Ofen zu garen, aber geschmeckt hat das Tier durchaus. Eine gekonnte Art der Konserven-Wiederbelebung. Auf meine wiederholt gestellte Frage, warum man nich einfach einen fangfrischen Kabeljau nehme, habe ich keine befriedigende Antwort erhalten.

Bacalhau bei 80° im Largo, Lissabon

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