Broeding, ganz reduziert

Posted on 28. Mai 2010 von

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Das Broeding gibt’s seit 20 Jahren, aber erst ein hymnischer Bericht in der Frankfurter Allgemeinen am Sonntag (FAS) hat mich hingetrieben. Es ist ein Schlicht-Lokal in Neuhausen, in einer von den kleinbürgerlichen Ecken Münchens, die die Stadt für Intellektuelle so reizvoll machen. Weinhandel mit angeschlossener Küche, rigides Programm: Es gibt ein Menü (Preislage 70€) und sonst nichts.

Der FAS schreibt, das sei alles achtziger Jahre, Küchenstil inklusive, und macht im Text auf Feuilleton eben dieser Zeit. Sätze wie „Mit seiner gebündelten Vielstimmigkeit zieht dann der spanische Blauschimmelkäse Vadéon neben Bitterorangengelee gewissermaßen ein Fazit“ brächte ich erst nach zwei Flaschen Rotwein zustande.

Meine Frau und ich, wie waren gebündelt einstimmig der Meinung, dass hier einfach nur gut und mit Verstand gekocht wird. Mit Spass an Saucen, wie man sie in Asien macht, und einem Feeling für Dramaturgie: Der nächste Gang setzt immer noch eins drauf.  So hangelt man sich gelustig, auch wenn man nur zwei Gänge essen wollte, durchs Zwangsmenü und bereut nichts.

Weinverstand ist hier natürlich eingebaut: Den 2009 Steinmühle von Kollwentz aus dem Burgenland, ein edler Sauvignon, hätte ich ohne den freundlichen und beredten Lotsen nicht gefunden. Übrigens gibt es beim Wein nur Österreich, einen Klecks Italien vielleicht, sonst aber nichts anderes. Was eine weitere rigide Reduzierung ist.

Kalbsbries, in der Anmutung fast nackt, mit Pimientos auf Mallorca-Art

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Posted in: Bayern, München