Schwarze Vögel über München

Posted on 30. Juli 2010 von

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Gestern, Donnerstag, war in der ganzen Münchner Innenstadt kein Parkplatz zu kriegen. Gleichzeitig bevölkerten unzählige bodenlang schwarz gewandete Damen die einschlägigen Shops auf der Maximilianstrasse und den Loden-Frey am Promenadenplatz: Invasion der Raben.
Was war passiert? Die Weltstadt mit Herzzentrum, wie München neuerdings heisst, hatte wieder mal Zulauf aus dem Nahen Osten, weil man sich rechts oder links der Isar aus Kardiologische trefflich versteht, und während dessen gehen Gemahlin und Töchter shoppen. Schwarz und bodenlang, wie es sich gehört im Wüstenstaat.
Schön ist es, beim Ausfallschritt das Armanikleid unter dem Rabengewand aufblitzen zu sehen, und manchmal ist es auch nur eine Jeans von H&M: Allahs Töchter scheuen sich nicht, ihren Rundgang mit Tüten von C&A und Kaufhof zu dekorieren, bevor sie bei Gucci zwecks Anprobe ins Separee gebeten werden.

Was das mit Kulinarik zu tun hat? Ich hatte einfach Hunger, während ich als getreuer Ehemann und Tütenträger auf einem der beiden Silbersessel im ersten Stock von Loden-Frey auf den Fortgang der Dinge harrte und dabei die Rabengeschichte ersann. Denn zum ersten Mal seit 28 Jahren gab es um 14 Uhr beim Franziskaner keine Weisswürscht‘ mehr. Da hat wohl die Bezeichnung „kälbern“ zum Verzehr animiert. Ich musste auf kleine Bratwürstl umschwenken, und diese fränkischen Alternativen hatten nun mal die Finesse nicht, die von den Weissen im Poststüberl ausgeht: Nürnberger schmecken eben nur in Nürnberg gut.