NADA – Bar und Küche mit Anspruch

Posted on 24. August 2014 von

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Selbst bei Fahrten ins nahe gelegene  Köln verlasse ich mich inzwischen ganz auf den Navi. Da sind dann Überraschungen vorprogrammiert. An der Zieladresse angekommen gab es einen Moment der Freude ob der guten Parksituation – gleich mehrere Parkplätze sind frei – und dann einen Schreck. Ich halte genau gegenüber dem Restaurant Gruber. Falsche Adresse eingegeben? Den Augenblicken der Irritation folgt Entspannung. Alles ist gut. Das NADA befindet sich direkt rechts angrenzend an den Gruber. Warum ist mir das vorher nicht aufgefallen? Wahrscheinlich weil mein intern eingebauter Filter die Bar gleich ausgeblendet hat. Nun gut.

Nach Betreten umfängt uns gedimmtes Licht. Links und rechts entlang der Fensterseite stehen eine Reihe Tische, uns gegenüber erstreckt sich die Bar. Rechts hinter der Bar befindet sich die offene Küche. WIMG_20140823_185027eiter rechts schließen sich zwei helle Räume an. Der Fensterfront des zur Straße gelegenen Raumes ist eine mir bordeau-farbenem Leder bezogene halbkreisförmige Sitzbank vorgelagert, an der radial zur Raummitte hin Tische und Stühle stehen. Etwas gewöhnungsbedürftig. Wir nehmen Platz.

Noch während wir in Wein- und Speisekarte blättern erreicht uns der Gruß aus der Küche. Ein Cappuccino mit Rote Beete Schaum-Süppchen, nett dekoriert mit einem dünnen Streifen durch Sesam aromatisierten Gebäcks. Leider ist der Sesam nicht angeröstet. Das Schaumsüppchen selbst schmeckt schwach nach rote Bete. Angeblich soll das Süppchen noch mit Ingwer gewürzt sein. Davon kann ich leider gar nichts ausmachen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Für mich war der Aperitiv – komponiert aus Lillet rose, Weinbergpfirsich-Likör und etwas Zitronensaft – der Höhenpunkt des Abends. Da schlägt die Kompetenz der Bar voll durch.

IMG_20140823_190233Zu den Getränken: Die Weinkarte listet drei offene Weißweine, allesamt eher einfacher Standard wie

– 2013 Riesling Blauschiefer (Dr. Loosen, Mosel)
– 2013 Weißburgunder „Oktav“ (Weingut Heger, Baden)

berechnet mit jeweils 4 Euro für ein 0,1-Glas. Da hätte ich in Anbetracht der Bar und der Küchemambitionen mehr Qualität erwartet. Die meisten Gäste werden keine ganzen Flasche ordern und möchten trotzdem eine adäquate Weinbegleitung haben.

Als Vorspeise wähle ich die „Klare Fischsuppe mit Safran und Sauce Rouille“. Die Suppe ist technisch sauber gemacht. Die Sauce Rouille wird in einem kleinen Pfännchen separat gereicht. Als Einlage findet Lachs und Scholle sowie Karotte und Staudensellerie Verwendung. Außer der goldgelben Farbe des Safran weist nichts auf die Verwendung weiterer Gewürze hin.

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Zur Hauptspeise nehme ich die „Maispoulardenbrust mit Orangen-Feigen-Kruste und Ricotta-Spinat Ravioli“.

Natürlich ist die Kruste süßlich. Aber das passt alles gut zusammen. Tatsächlich vermisse ich in diesem Gericht keine weiteren würzenden Komponenten. Die Ravioli sind al dente gekocht und konkurrieren nicht mit der Poularde. Farbliche Tupfer bringen noch einige eingestreute Mangoldblätter auf den Teller. Hat mir gut gefallen.

IMG_20140823_195458Der Gast nimmt die Eindrücke der letzten Speise mit auf den Heimweg. Daher sollte die Nachspeise eigentlich noch einmal alle Sinne anregen. Farbspiel, Arrangement, Säure, Frucht und Süße lassen etwaige vorherige Unstimmigkeiten verblassen.

Die „Schokoladenvariationen mit Zwergorangenkompott“ kann das leider nicht leisten. Der Teller wirkt etwas unbeholfen. Es finden sich ein Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern, Brownies, Schokoladeneis und zwei gezuckerte Beeren. Ich mag es kaum sagen, aber alles hatte keinen wirklichen Geschmack und wirkte eher fade. Als Dekoration dient eine leichte Spur gelber Farbe, die sich quer über den Teller zieht, nachgezogen mit etwas Kresse. Soll das der Zwergorangenkompott sein?  Schade.

Fazit. Den offensichtlichen Anspruch könnte mit etwas Raffinesse bei der Würzung nachgekommen werden. Der optische Eindruck speziell bei der Nachspeise bedarf der Überarbeitung. Die Auswahl der offenen Weine sollte den dann hoffentlich ausdrucksstärkeren Speisen angepasst werden.

Preis: Aperitiv, 3 Gänge mit 2 Glas Wein á 0,1 l = 54 Euro

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